Was ist die private Krankenversicherung (PKV)?
Die private Krankenversicherung (PKV) ist neben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) das zweite Säulenmodell des deutschen Krankenversicherungssystems. Während die GKV auf dem Solidarprinzip beruht, funktioniert die PKV nach dem Äquivalenzprinzip: Beiträge richten sich nach individuellem Risiko, Leistungsumfang und Eintrittsalter, nicht nach dem Einkommen.
In Deutschland sind rund 9 Millionen Menschen privat krankenversichert. Der PKV-Markt umfasst über 40 Versicherungsunternehmen mit hunderten verschiedenen Tarifen – von günstigen Basis-Absicherungen bis hin zu Premium-Tarifen mit Chefarzt-Garantie und weltweitem Schutz.
Wichtig für 2026: Die Versicherungspflichtgrenze liegt 2026 bei 77.400 € brutto jährlich (6.450 € monatlich). Angestellte müssen diese Grenze überschreiten, um PKV-berechtigt zu sein.
Wer darf in die PKV wechseln?
Zugang zur PKV haben:
- Angestellte mit Bruttojahreseinkommen über 77.400 € (2026)
- Selbstständige und Freiberufler – unabhängig vom Einkommen, ab Aufnahme der Tätigkeit
- Beamte – profitieren von staatlicher Beihilfe (50–80 % der Kosten); PKV-Tarife dadurch besonders günstig
- Studierende unter 30 Jahren – günstige Studenten-Konditionen mit Jungtarif-Vorteil
- Kinder von PKV-Versicherten – eigene PKV-Verträge zu günstigen Tarifen
PKV-Leistungen: Was bekommen Sie gegenüber der GKV?
Der Leistungsumfang hängt vom gewählten Tarif ab. Gute PKV-Tarife bieten typischerweise:
- Chefarztbehandlung und Wahlarztsystem im Krankenhaus
- Einzel- oder Zweibettzimmer – nach eigener Wahl
- Freie Arztwahl ohne Überweisungspflicht, direkter Facharzt-Zugang
- Bis zu 100 % Erstattung für Zahnbehandlungen und Zahnersatz
- Heilpraktiker, alternative Heilmethoden und Naturheilkunde
- Weltweiter Krankenversicherungsschutz ohne Wartezeit
- Brillen, Sehhilfen und ophthalmologische Leistungen
- Psychotherapie ohne strenge Sitzungsbeschränkungen (je nach Tarif)
Achtung Familienplanung: In der PKV gibt es keine beitragsfreie Familienversicherung. Jedes Kind und jeder nicht berufstätige Partner benötigt einen eigenen Vertrag. Familien mit mehreren Kindern sollten dies bei der Entscheidung einkalkulieren – die GKV kann dann kostengünstiger sein.
Was kostet die PKV? Beiträge 2026 im Überblick
Der monatliche PKV-Beitrag hängt von drei Faktoren ab: Eintrittsalter (je jünger, desto günstiger), Gesundheitszustand bei Vertragsschluss (Vorerkrankungen führen zu Risikozuschlägen), und dem gewählten Tarif (Basis, Komfort, Premium).
Für einen gesunden 35-jährigen Angestellten sind Vollkostentarife mit soliden Leistungen häufig für 380–550 € monatlich erhältlich. Hinzu kommt der Arbeitgeberzuschuss (ca. 50 % des Beitrags), sodass die Eigenbelastung auf ca. 190–275 € sinkt.
PKV im Alter: Beitragsentwicklung und Altersrückstellungen
Ein zentrales Thema: PKV-Beiträge steigen mit zunehmendem Alter, da das Krankheitsrisiko wächst und medizinische Kosten allgemein steigen. Gut konzipierte Tarife bilden jedoch Altersrückstellungen, die später zur Beitragsdämpfung genutzt werden. Seit 2009 gilt zudem der gesetzliche Basistarif als Sicherheitsnetz für alle PKV-Versicherten.
Bei der Tarifwahl sollten Sie achten auf: niedrige Verwaltungskostenquote (je niedriger, desto effizienter wirtschaftet der Versicherer), nachweislich moderates Beitragssteigerungsprofil in der Vergangenheit, und einen angemessenen Altersrückstellungsanteil im Beitrag.
Selbstbehalt in der PKV: Sinnvoll oder nicht?
Ein Selbstbehalt bedeutet: Sie tragen einen jährlichen Betrag (z. B. 300–1.200 €) selbst, bevor die Versicherung zahlt. Im Gegenzug sinkt Ihr monatlicher Beitrag – oft um 20–35 %. Das lohnt sich für Versicherte, die selten zum Arzt gehen und gesund sind. Chronisch Kranke oder Familien mit Kindern sollten eher einen niedrigen oder keinen Selbstbehalt wählen.